Meditation


Impuls

Gerne spaziere ich durch den Lennebergwald und genieße den Schatten der Bäume. Wie ein grünes Laubdach bieten die Bäume Schutz und Erholung vor der Sommerhitze. Doch beim Anblick des Waldes in diesen Tagen im August war ich sehr erschrocken: Der dicht bewachsene Wald zeigt große Lücken auf, viele Äste sind abgebrochen und Bäume entwurzelt. Blätter hängen kraftlos am Ast oder sind aufgrund der Trockenheit viel zu früh abgefallen. Nun rascheln die Amseln bereits Anfang August im Laub.

Nicht nur der Förster beklagt die Folgen der Trockenheit in unserer Region, auch die Bauern. Das dritte Jahr in Folge erfahren sie schmerzhaft, dass Wachstum und Gedeihen nicht nur von ihrer Arbeit abhängen, sondern auch von dem, was die Natur, das Wetter und das Klima bewirken.

Im Oktober feiern wir das Erntedankfest. Aber in diesen Zeiten, in denen Wasser so rar, der Sommer so heiß und der Garten so durstig ist, da wird sich mancher Landwirt fragen, wofür soll ich da noch danken?

Und nach den letzten Monaten, in denen wir alle mit den Auswirkungen und Entbehrungen in Folge der Corona-Krise zu kämpfen hatten, mag sich mancher Gottesdienstbesucher dieselbe Frage stellen: Was für einen Grund habe ich Gott zu danken?

Unter „Dank“ verstehe ich, nichts als selbstverständlich zu betrachten, nichts als etwas, worauf ich Anspruch hätte, sondern als ein Geschenk, als eine gute Gabe. Und für mich ist auch klar, wem ich danke. Gott ist der Geber aller guten Gaben.

So hat es Matthias Claudius gedichtet, so singen wir es am Erntedankfest:
„Was nah ist und was ferne, von Gott kommt alles her. (…) das schöne Frühlingswetter und Schnee und Ungestüm.“ (EG 508,3)

Also auch die Dürre dankbar aus Gottes Hand nehmen? Nein, ich mache mir viele Gedanken über die Trockenheit und die damit verbundenen Folgen für die Natur und Landwirtschaft. Aber bei aller Sorge bin ich dankbar dafür, dass wir trotzdem satt werden. Und möglicherweise neu gelernt haben, dass wir nicht unabhängig von der Schöpfung leben können, sondern nur als ein Teil von ihr.

Und im Blick auf die Krise bin ich dankbar für alles Gute, was sich daraus ergeben hat: Die neuen Wege, die mit viel Kreativität gegangen wurden, um miteinander in Verbindung zu bleiben; die Hilfsbereitschaft untereinander, die uns zusammenrücken ließ. Und mir persönlich sind andere Dinge in den Blick gekommen, an denen ich mich erfreuen kann und die ich neu wertschätzen gelernt habe. Vielleicht haben auch Sie für sich entdeckt, was der französische Schriftsteller Honoré de Balzac beschreibt: „In die kleinen Dinge hat der liebe Gott die großen Freuden hineingelegt“.

Mögen auch Sie die kleinen Dinge im Alltag mit großer Freude und Dankbarkeit erfüllen.

Ihre Pfarrerin Jessica Grünenwald