Meditation


Impuls

Alles hat seine Zeit ?


Da liegen sie wieder: die Spekulatiusplätzchen und Nikoläuse, die Weihnachtskekse und Lebkuchen. Pünktlich zum Anfang des neuen Schuljahres finden sie ihren Platz in den Regalen der Geschäfte.

So stellt sich die Frage: Sollen Marzipankartoffeln und Pfeffernüsse in die Schultüte? Würde sich ein Schulanfänger an seinem ersten Schultag darüber freuen? Warum eigentlich nicht?

Trotzdem bin ich irritiert. Das Erntedankfest steht vor der Tür. Soll ich es etwa mit Glühwein und Elisenlebkuchen feiern? Und danach ist auch nicht gleich Advent: Das Reformationsfest, Allerheiligen, der 9. November, der Martinstag, der Volkstrauertag, Buß- und Bettag, der Totensonntag - lange Wochen voller Feste, Feiertage und Gedenktage, alle vor dem 1. Advent. Aber diese Feiertage lassen sich alle nicht werbewirksam vermarkten!

So bleibt mir nur eins: Ich werde mir die Zeit nehmen, das Erntedankfest zu feiern und Gott für die Gaben dieses Jahres zu danken.

Ich werde den Altweibersommer im Oktober ausführlich genießen und mich am Reformationstag über unseren gnädigen Gott freuen.

Ich werde im November die Tage der Trauer und der Erinnerung bewusst begehen.

„Alles hat seine Zeit“, schreibt der Prediger im Alten Testament. Und diese Zeit werde ich auskosten. Auf Dresdner Stollen und Zimtsterne freue ich mich jetzt schon: Aber ich werde sie erst nach dem Ewigkeitssonntag aus den Regalen nehmen.


Ihre Pfarrerin Anne Waßmann-Böhm