Meditation


Impuls

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt – erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann…

Advent heißt Warten. Warten zu müssen, hat in der heutigen Zeit keinen guten Klang. Das verrät schon unsere Sprache: Warten müssen – warten geschieht nicht freiwillig, wird eher als Zwang empfunden. Warten zu können oder warten zu dürfen, sind Formulierungen, die fremd klingen in unseren Ohren.

Das Warten hat im Religiösen eine andere Dimension. Auch wenn Kinder die Tage des Advents vielleicht eher als „quälend lang“ empfinden (was ja auch etwas Positives über ihre Weihnachtsfreude aussagt), so empfinde ich das Warten im Advent eher als eine Einladung, als geschenkte Zeit, als ein Wartendürfen. Als Gelegenheit, den Blick und die Aufmerksamkeit verstärkt auf mich, auf den Nächsten und auf Gott zu richten; auf all das, was im Alltag allzu oft in den Hintergrund tritt.

Ich weiß, dass es Situationen gibt, in denen Warten zur Qual werden kann: Das Warten auf eine ärztliche Diagnose, auf eine Antwort auf ein Bewerbungsschreiben, auf das Ende der Coronaeinschränkungen. Und in dem Theaterstück „Warten auf Godot“ wird das Warten geradezu absurd, weil die Wartenden vergessen haben, worauf sie warten.

Warten im Glauben unterscheidet sich davon. Es ist ein Warten im Vertrauen darauf, dass das, worauf wir warten, auch eintritt. Wir warten nicht mit ungewissem Ausgang, sondern unser Warten hat ein gutes Ziel. Gott ist unser Ziel.

…dann steht das Christkind vor der Tür!

Eine erwartungsvolle Adventszeit und frohe Weihnachten wünscht


Ihre Pfarrerin Anne Waßmann-Böhm